11.11.2014

"The Evil Dead" und Isaac Asimovs "Foundation"-Trilogie werden Fernsehserien















Das sind doch mal zwei krasse Ankündigungen: 

Erstens: The Evil Dead wird eine TV-Serie.
Seit über zwanzig Jahren betteln Fans der "Tanz der Teufel"-Reihe um eine Fortsetzung ihres heißgeliebten Epos über den einhändigen Schrotflinten- und Kettensägen-schwingenden Antihelden "Ash". Anscheinend hat das Flehen geholfen, denn auf einmal kündigen Sam Raimi und Rob Tapert eine ganze Evil Dead Fernsehserie an! Und das beste ist, dass man nicht das Remake des ersten Films als Grundlage nimmt. Bruce Campbell wird als Ash Williams zurückkehren, um ein paar Untote zu vermöbeln. In: "Ash vs. Evil Dead". Vorerst hat der US-Sender Starz 10 Episoden geordert.

Sam Raimi dazu:

"Evil Dead has always been a blast. Bruce, Rob, and I are thrilled to have the opportunity to tell the next chapter in Ash’s lame, but heroic saga.  With his chainsaw arm and his ‘boomstick,’ Ash is back to kick some monster butt. And brother, this time there’s a truckload of it."

Campbell's Kommentar

“I’m really excited to bring this series to the Evil Dead fans worldwide – it’s going to be everything they have been clamoring for: serious deadite ass-kicking and plenty of outrageous humor,” 

Im Moment bin ich mir noch nicht sicher, ob ich begeistert oder noch skeptisch sein soll. Ich habe nämlich keine Ahnung, was man bei Starz zu erwarten hat. Vor allem was die Qualität ihrer Serien und die kreativen Freiheiten angeht, die sie den Schaffenden gewähren. Warten wir mal ab. In ein paar Monaten dürften wir mehr wissen.

via ShockTillYouDrop


Auch mindestens genauso interessant und von Vielen (dieses Mal Science Fiction Fans) lang erwartet: Isaac Asimovs "Foundation"-Trilogie wird von HBO und Jonah Nolan (dem Christopher sein Bruder) für die Flimmerkiste umgesetzt. 
Eine Foundation-Verflimung dürfte, was ihren Aufenthalt in der Development Hell angeht, einen ähnlichen Status wie Ray Bradburys Martian Chronicles inne haben. Doch selbst die haben mittlerweile eine Film-Umsetzungen erfahren. Irgendwann war sogar Roland Emmerich an einer möglichen Inkarnation einer Foundation-Verflimung beteiligt. Daraus ist zum Glück nichts geworden!
Nun scheinen Asimovs Bücher ein gutes Zuhause und die richtigen Leute gefunden zu haben. Was die Qualität bei HBO und das Können vom jüngeren Nolan angeht braucht man sich jetzt nicht groß in Unwissenheit ergehen.

Was mich besonders interessiert ist das "Wie". Wie will man drei Bücher umsetzen, die zu einem sehr großen Teil aus Unterhaltungen besteht? Denn der Action-Anteil der Reihe ist verschwindend gering. Das meine ich überhaupt nicht böse und will das keinesfalls als Makel anbringen. Die Bücher sind top! Ich frage mich nur, wie man das moderne Publikum mit etwas begeistern will, das von seinem Adrenalin-Gehalt eher ein Mad Men in Space wäre als z.B. ein Battlestar Galactica. Vor allem muss man ja den Kosten-Nutzen-Faktor mit einbeziehen. Space-Opera ist nunmal teuer. Bin gespannt.

Nolan:

“Well, I fucking love the ‘Foundation’ novels by Isaac Asimov. They're certainly not [unknown], but that's a set of books I think everyone would benefit from reading. That's a set of books where the influence they have is just fucking massive. They have many imitators and many have been inspired by them, but go back and read those, and there are some ideas in those that'll set your fucking hair on fire,”

Fucking enthusiastisch ist der fucking Junge ja schonmal... Vielleicht hätte er noch anhängen sollen: "These books are so great, they're gonna kick your dick off!" (Frei nach BoJack Horseman.)

Story der Foundation-Serie:

Das galaktische Imperium steht vordergründig in seiner vollen Blüte und beherrscht die Milchstraße mit rund 50 Millionen besiedelten Welten und Billionen von Menschen. Die Geschichte beginnt mit dem ersten Erscheinen des 33-jährigen Hari Seldon im Jahr 12.020 G. Ä. Er besucht Trantor, den Hauptplaneten des Imperiums, um die ersten Ideen seiner neuen Wissenschaft vorzustellen. Gesteuert von R. Daneel Olivaw, der hier in zwei weiteren Figuren als Eto Demerzel und Chetter Hummin auftritt, wird Seldon motiviert und angeleitet, die Wissenschaft und Mathematik der Psychohistorik zur Reife zu entwickeln. Mit Hilfe der Psychohistorik erkennt Seldon, dass der Niedergang des Imperiums aufgrund vieler verschiedener, zusammenspielender Faktoren unausweichlich ist und die folgende Zeit des Chaos und der Barbarei etwa 30.000 Jahre umfassen würde. Seldon wird von dem Gedanken geplagt und motiviert, wie diese Entwicklung aufgehalten oder zumindest abgeschwächt werden könnte. Mittels der Psychohistorik beginnt er, vage an einem Plan zu arbeiten, mittels dessen die Zeit des Interregnums auf 600 Jahre begrenzt werden und gesichert ein stabileres, neues Imperium aufgebaut werden kann. Mit einer Kolonie von Wissenschaftlern, die die Geburtszelle des neuen Imperiums darstellen sollen, könnte diese Steuerung gelingen. Durch weitere, geschickte Manöver des R. Daneel Olivaw gelangt Seldon zunehmend in Positionen auf Trantor, von denen aus er seinen Plan ausbauen und schließlich in die Tat umsetzen kann. via Wikipedia

 via TheWrap

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05.11.2014

Trailer und Poster: Neill Blomkamps "Chappie"



Hat außer mir noch einen gewissen "Nummer 5 lebt"-Vibe in diesem Trailer wahrgenommen? Ehrlich gesagt weiß ich durch diese Vorschau noch nicht so genau was ich von Neill Blomkamps neuem Film halten soll. Vielleicht ist das auch besser so. Den meisten Teasern/Trailern kann/sollte man heutzutage ohnehin nicht mehr trauen.
District 9 war eine riesige Überraschung was das Konzept und die nahezu perfekten Effekte anging, doch schon Elysium hat mich viel mehr durch seine visuellen Vorzüge überzeugen können. Kurz gesagt hat Blomkamp es irgendwie geschafft Sachen auf die Leinwand zu bringen die ich schon immer in einem Film sehen wollte.
Bei Chappie bin ich natürlich gespannt wie sich das "Nummer 5"-Konzept, durch Blomkamps Maschinerie gefiltert, entwickeln wird. Allerdings muss ich zugeben, dass mir die beiden Vögel von Die Antwoord schon im Trailer auf den Keks gegangen sind...

Every child comes into the world full of promise, and none more so than Chappie: he is gifted, special, a prodigy. Like any child, Chappie will come under the influence of his surroundings - some good, some bad - and he will rely on his heart and soul to find his way in the world and become his own man. But there's one thing that makes Chappie different from anyone else: he is a robot. The first robot with the ability to think and feel for himself. His life, his story, will change the way the world looks at robots and humans forever.

Chappie läuft am 5. März 2015 in Deutschland an.

Poster via Collider

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23.10.2014

Teaser: Marvel's Avengers - Age of Ultron



Boah, ey... °.°

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26.09.2014

"Gotham" - Ein erster Eindruck

"Ich bin Batman." ist der Satz, der sich 1990 in mein gerade 4 jähriges Gehirn gerbannt hat. Seitdem bin ich Fan des Caped Cruesaders, der schon seit 65 Jahren in allen medialen Formen mehrere Reinkarnationen erlebt hat. 
"Ich bin Batman." ist ein Satz, den wir in der neuen Fernsehserie von Fox wahrscheinlich nie zu hören bekommen werden. Zwar beginnt die Show mit dem Mord an Bruce Waynes Eltern, doch im Gegensatz zu "Year One" oder "Batman Begins" folgt im Anschluss keine Einblendung wie "15 Jahre später" oder Ähnliches. Wir bleiben auch nicht (die ganze Zeit) beim Alleinerben der Wayne-Familie. 
Der Held von "Gotham" ist Detective James Gordon: Kriegsheld, Sohn eines Polizisten und jetzt einer von den guten Cops. Als solcher bleibt Gordon natürlich nichts anderes übrig, als sich um den jungen Bruce zu kümmern und im zu schwören, persönlich den Killer seiner Eltern seiner gerechten Strafe zu zuführen.
Recht schnell werden Detective Gordon und sein Kollege Harvey Bullock in einen Sumpf von Korruption gezogen und müssen sich auch mit Gegnern aus den eigenen Reihen herumschlagen.

Als ich den ersten Gotham-Trailer gesehen habe, war ich alles andere als überwältigt. Zum einen ist es ersteinmal abschreckend, wenn man das Gefühl hat, es würde einem "Muppet Babies" mit halbwüchsigen Bruce Wayne, Poison Ivy und Catwoman vergesetzt. Zum andereren ist es generell befremdlich Gotham City zu sehen ohne mit dem Goddamn Batman rechnen zu können. 
Der moralische Dreh- und Angelpunkt in dieser Version des Batman Universums ist eben James Gordon. Ich bin selbst überrascht, wie schnell ich mich nach dem Piloten mit dieser Prämisse und dem Setting anfreunden konnte. An sich mag ich das Prinzip von Cop-Shows eher selten und seitdem "Life" zu früh abgesetzt wurde bin ich noch immer etwas "beleidigt". Krimiserien, in denen die Schnittmenge von Arschlöchern und Polizisten zu hoch ist, kann ich auch nicht die ganze Zeit ertragen. Es mag wie Fantasy klingen, doch nicht alle Polizisten sind korrupte Kotzbrocken, die auch vor Folter nicht zurückschrecken. Einen idealistischen "Guten Kerl" als Helden zu sehen ist in der Tat mal ganz nett. 

Der Look von "Gotham" kann sich sehen lassen. Meist düster, verregnet und in den Straßen und Seitengassen wimmelt es von Gesindel. New York City als Drehort für die Serie zu wählen war eine gute Entscheidung, denn das Chicago in Christopher Nolan's Filmen sah mir immer etwas zu "clean" aus. Außerdem war der Big Apple ja auch eine der Hauptinspirationen für Gotham in den Comics.
Generell fühlt man sich ohnehin stark an die Comichefte und Cartoons erinnert, was man kleinen, bewusst gewählten Anachronismen in der Mode, den Autos und anderen Elementen in der Serie zu verdanken hat. 

Die oben genannten "Miniversionen" von Poison Ivy und Catwoman sind auch relativ organisch eingebaut. Allerdings hoffe ich, dass man in Zukunft davon absehen wird gerade diese Charaktere an den sprichwörtlichen Zaunpfahl zu binden und ihn jede Woche von den Augen der Zuschauer zu schwenken.
Der große Bad Guy in Spe der Serie ist wider Erwarten nicht der Joker, sondern Oswald Cobblepot aka. der Pinguin. Diese Entscheidung finde ich besonders interessant, da gerade dieser Charakter (außer in Batman's Rückkehr) relativ unterrepräsentiert ist und viel Potential mitbringt. Den Pinguin als kleinen, psychotischen Gauner mit Ambitionen zur Macht zu zeigen, funktioniert im Pilot ganz gut, was besonders an der schauspielerischen Leistung von Robin Lord Taylor liegt.
Generell sind die Schauspieler in "Gotham" nach ihrem Können ausgewählt und sind nicht nur hübsche Gesichter, die pubatierenden Teenagern gefallen sollen (Hallo, "The Flash"!). Ben McKenzie und Donal Logue als Jim Gordon und Harvey Bullock funktionieren wirklich gut als SEHR ungleiches Ermittlerteam, und David Mazouz mimt einen echt guten Bruce Wayne. Der Rest der Besetzung weiß ebenfalls zu ebenfalls glänzen, auch wenn sich die Gesamtleistung über die kommenden Folgen hinweg natürlich erst noch zeigen wird.

Also Batman-Fans, lasst euch nicht von Promos mit kleinen Kindern abschrecken. Seht "Gotham" als Cop-Show mit Potential und vielen Insidern für Comic-Geeks.




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25.09.2014

Interview: "Die Muse" Regisseur Christian Genzel

Vor einiger Zeit hatten wir in unserer Review zum Film "Die Muse" von Christian Genzel ein Interview mit dem Regisseuer schon angekündigt, jetzt ist es soweit. Christian Genzel hat sich Zeit genommen und unsere neugierigen Fragen zu seinem Film, seiner Person und seinem künstlerischen Schaffen im Allgemeinen beantwortet. Herausgekommen sind spannende Einblicke, nicht nur in "Die Muse", sondern in das Filmemachen allgemein. Wie wird aus einer Idee ein Film? Wie sieht es für Independent-Filmemacher in Deutschland aus? Und kann Video on Demand dem Independent Film helfen? All diese Fragen und mehr beantwortet Christian Genzel im folgenden Interview. 


Brainbar: Wie kamst du auf die Idee zu Die Muse?

Christian Genzel: Da war zunächst mal eine ganz praktische Überlegung: Ich mag Kammerspiele – Geschichten, die sich auf engem Raum zwischen einer kleinen Anzahl von Leuten abspielen. Ich wollte also etwas Reduziertes machen – ein Raum, zwei Personen. Weil ich mich sehr für Kreativität interessiere, wurde aus einer Figur bald ein Schriftsteller – und da kam dann die Frage: Was wäre, wenn er die andere Figur nicht gehen lassen kann, weil er sich nur durch sie inspiriert fühlt?


Brainbar: Dein Film bietet viele Ansätze zur Interpretation: Muse und Inspiration, Schreiben und Scheitern, Gewalt und Widerstand, Obsession und Wahn... Was ist für dich das zentrale Thema des Films?

Christian Genzel: Es ist wohl "das unberechenbare Biest der Kreativität". Wie funktioniert Kreativität? Woher kommen Ideen? Wie fügen sie sich zur Geschichte zusammen? Wieviel erzählt man von sich selbst mit dem, was man erzählt? Was passiert, wenn die Ideen aufhören, ins Nichts führen? In "Die Muse" ist diese Betrachtung der Kreativität natürlich extrem, weil Fischer ein Verbrecher ist, aber er steht ja letzten Endes auch dem gegenüber, was jeder Kreative fürchtet: Dem dunklen Schatten der Erfolglosigkeit. Er ist ebenso gefangen wie Katja.


Brainbar: Was ist deine Lieblingsszene in Die Muse?

Christian Genzel: Da gibt es einige … eine, auf die ich mich immer freue, ist die zweite Szene zwischen Fischer und Dylan. Eine intensive Szene, die echt packend von beiden gespielt ist. Die Szene ist in recht langen Einstellungen eingefangen, weshalb man vom Zusammenspiel der beiden sehr viel mitkriegt, und trotz weniger Schnitte ist sie echt dynamisch. Und wenn Dylan die Schere zückt, geht immer so ein Laut durch das Publikum, die Leute ziehen die Luft zwischen den Zähnen ein … sowas ist natürlich immer toll, wenn man die Zuseher mit so einfachen Mitteln so packen kann.


Brainbar: Uns ist beim Sehen aufgefallen, dass Die Muse darauf verzichtet, seiner weiblichen Hauptfigur einer sexuellen Bedrohung durch ihren Entführer auszusetzen. Das ist erfrischend aber leider untypisch. War das eine bewusste Entscheidung?

Christian Genzel: Ja. Der Gedanke kam natürlich irgendwo beim Entwickeln der Geschichte mal auf – aber abgesehen davon, dass man das in anderen Filmen zur Genüge sieht, war natürlich auch schnell klar, dass das gar nicht zu Fischer passt: Seine Vorstellung der Muse ist ja eine ideelle, er will die Inspiration, nicht die Person, und somit auch nicht den Körper. Ich fand es auch ganz interessant, ihn in der Hinsicht quasi zu einem hochanständigen Verbrecher zu machen. Es gab noch einen kurzen Moment, wo sie ihn verführen will, um ihn dann zu überwältigen, aber das ist im Schnitt bald herausgeflogen – es passte einfach nicht zum Rest.


Brainbar: Wie fängt man das überhaupt an: einen Film machen? Kannst du den groben Prozess von der ersten Idee für die Muse bis hin zum fertigen Film kurz für uns schildern?

Christian Genzel: Die Idee entwickelte sich bald nach der Premiere meines Kurzfilms "Schlaflos". Am Anfang habe ich mir noch unter anderem das Buch "Bestie Mensch" des österreichischen Profilers Thomas Müller durchgelesen – ich wollte etwas Information darüber, wie man sich in einen Täter hineindenken kann. Die Kulturförderungen von Land Salzburg und Stadt Salzburg haben die Idee unterstützt, und so konnte ich die erste Hälfte von 2007 daran schreiben und die Geschichte entwickeln.

Es gab immer zwei Modelle, den Film zu realisieren: Mit einer Produktionsfirma zusammen, vielleicht für wenig Geld, oder ganz auf eigene Faust, ganz sicher für wenig Geld. Im Herbst 2007 bin ich mit der Berliner Firma High5Films in Kontakt gekommen, die Stoffe gesucht haben – ich hatte ihnen zuerst etwas anderes geschickt, das sie nicht wollten, aber dann sind wir ins Gespräch über "Die Muse" gekommen. So haben wir uns also daran gemacht, eine Finanzierung aufzustellen, während ich das Drehbuch überarbeitet habe. Das Geld war die größte Hürde: Der FFF Bayern zum Beispiel lehnte eine Förderung einstimmig ab, weil ihnen die Story zu brutal war. Auch anderswo standen die Türen nicht gerade sperrangelweit offen. Letztlich haben wir durch Förderung von Land Salzburg, Stadt Salzburg und vom BKM ein Weltspartagsbudget von knapp €70.000 zusammengekriegt und konnten im Herbst 2009 drehen.

Thomas Limpinsel war schon recht bald an Bord – ich hatte ihn beim Dreh zu Ralf Westhoffs "Shoppen" kennengelernt. Als ich ihn ungefähr ein Jahr später zufällig bei einem Filmevent in München wiedertraf, steckte ich schon im Drehbuch zur "Muse" und habe ihm davon erzählt. Für die Rolle der Katja haben wir 2009 einige Castings in München und Berlin gemacht. Da waren einige interessante Kandidatinnen dabei, was die Wahl nicht ganz leicht gemacht hat. Henriette Müller wurde von High5 vorgeschlagen, und ich bin dann extra nochmal nach Berlin geflogen, um sie zu treffen … und wenig später hatte sie die Rolle. Bleibt noch Jean-Luc Julien, der ja quasi als dritte Person im Zwei-Personen-Stück auftaucht: Der war schon in meinem Film "Schlaflos" dabei, und die Rolle des Dylan habe ich ganz gezielt für ihn geschrieben.

Die Drehvorbereitungen waren spannend, gelinde gesagt, aber es lief alles gut, und der Dreh selber lief glatt. Wir haben den Film in 21 Drehtagen im September und Oktober 2009 gedreht. Danach stand der Schnitt an, Nachvertonung für einige Szenen, die Musik, die Geräusche, die Abmischung, die Farbkorrektur … eine Menge Detailarbeit, die wichtig war, aber dank des knappen Budgets immer wieder viel Zeit gefordert hat. Premiere hatten wir dann im November 2011 in Salzburg – also fast fünf Jahre nach der Entstehung der Idee!


Brainbar: Wie verlief der Dreh? Gab es etwas, das besonders schwierig war?

Christian Genzel: Die großen Schwierigkeiten fanden vor dem Dreh statt: Wir mussten zum Beispiel kurz vor Drehstart den Kameramann auswechseln, und ebenso kurz vor Drehstart haben wir unsere Hauptlocation verloren, wo wir das Kellerset bauen wollten. Das hätten wir in einer leerstehenden Fabrik in der Nähe von München gemacht, und dann hat sich herausgestellt, dass derjenige, der mit uns den Vertrag gemacht hat, diesen Vertrag gar nicht hätte machen dürfen – aber das Geld eingestrichen hat. Da stehen halt plötzlich Leute von der Sparkasse vor einem, fragen einen, was man da bitteschön macht, und erklären, dass das Gebäude in drei Wochen niedergerissen wird. Das Glück war ja nur, dass wir nicht schon dort angefangen hatten!

Der Dreh selber lief gut – abgesehen davon, dass man bald mal einen Koller kriegt, wenn man ein paar Wochen lang im Keller dreht. Das Kellerset war zwar gebaut, aber witzigerweise in einem tatsächlichen Kellerraum! Weil es da kalt war und zugig, hat sich dann auch nach und nach jeder mal verkühlt beim Dreh. An dem Tag, wo Fischer Katja die Haare schneidet, war ich dran. Man starrt mit roten Augen auf den Monitor, der Kopf ist wie in Watte gepackt, und versucht, hilfreiche Instruktionen an die Schauspieler und das Team zu geben, obwohl man weiß, dass man sich eigentlich hinlegen müsste …aber sonst: Ein guter Dreh.


Brainbar: Wie finanziert man einen Film wie Die Muse?

Christian Genzel: Ein wenig war ja immer die Option im Hintergrund, das Ganze nötigenfalls superbillig zu machen – bei einer Hauptlocation und zwei Darstellern schon irgendwie machbar. Angefangen haben wir natürlich mit einer Kalkulation, die uns komfortables Arbeiten ermöglicht hätte – und die wurde dann nach und nach zurechtgestutzt, weil die Förderstellen dem Projekt eher skeptisch gegenüberstanden. So wurde es dann doch Low-Budget – nicht ganz so extrem wie befürchtet, aber dennoch gering genug, dass man auf viele Gefallen angewiesen ist und jeden Cent dreimal umdrehen muss. Georg Dehghan, der Produzent am Set, lief schon von Beginn an mit so einer "Wir haben kein Geld mehr"-Miene herum, und man wird ständig gefragt: "Brauchen wir die Szenen im Haus?" oder "Können wir das Messer streichen? Das kostet uns €100!". Aber letzten Endes läuft die Finanzierung so ab wie sonstwo auch: Man stellt das Projekt vor, hofft auf das Beste, und dann versucht man aus dem, was man letzten Endes zusammen kriegt, das Maximum herauszuholen.


Brainbar: Häufig hat man den Eindruck, der sog. „Deutsche Film“ ist gespalten in große, teure Produktionen, die sich entweder mit dem zweiten Weltkrieg, der DDR oder zotig-sentimentalen Feel-Good Rom-Coms befassen, und kleine, leidenschaftliche Projekte, die dann kaum Beachtung finden. Kannst du diesen Eindruck aus deiner Erfahrung quasi „von Innen“ bestätigen oder stellt sich die Situation anders dar?

Christian Genzel: Ja, der deutsche Film konzentriert sich tatsächlich auf ein paar bestimmte Themen und ein paar bestimmte Filmarten. Das hat viel damit zu tun, dass die meisten Filmförderungen daran gekoppelt sind, dass man einen TV-Deal mitbringt, und somit sind natürlich viele Filme daraufhin designt, dass sie auch gut um 20:15 Uhr laufen können. Experimente fallen da oft schon mal flach. Und Beziehungskomödien und Landesgeschichte sind die zwei Eckpfeiler, die einfach immer gehen, deswegen setzt man immer wieder darauf.

Ich würde mir von einer Kinokultur mehr Vielfalt wünschen – ich habe nichts gegen die Geschichtsdramen und die Sozialstories und die Romantic Comedies, da sind ja auch immer wieder schöne Filme dabei. Aber nebenher muss es auch andere Stoffe geben, andere Themen, andere Ansätze. Es gibt so vielfältige Geschichten, und das Medium Film kann so unterschiedliche Formen annehmen, dass es schade ist, wenn hauptsächlich nur gewisse Varianten ans Tageslicht kommen.


Brainbar: Der Film ist fertig. Was kommt danach? Wie bekommt man seinen Film zum Publikum?

Christian Genzel: Sehr gute Frage. Ich warte auf Lösungsvorschläge! 
Naja, im Ernst: Im Independent-Bereich bleibt einem nichts übrig, als das zu tun, was man schon bei der Finanzierung gemacht hat – man erzählt Gott und der Welt von seinem Film und hofft drauf, dass man auf Interesse stößt. Man schickt den Film an Festivals, schreibt Filmseiten und Blogs an, versucht Screenings zu organisieren – vor allem, wenn kein Vertrieb vorhanden ist – nervt seine Facebook-Freunde mit beständigen Hinweisen, webt unauffällige Hinweise in jede Konversation ein ("Lustig, dass die Milch jetzt teurer geworden ist – beim Dreh meines Films 'Die Muse' etc.pp."), und versucht sich sonstwie Aktionen auszudenken, die auf den Film aufmerksam machen. Wobei ich ja sagen muss: Das ist viel Arbeit und nimmt viel Zeit in Anspruch, aber ich würde es ebenso machen, wenn ich einen sündhaft teuren Streifen für ein großes Studios gedreht hätte. Ich erzähle gern von meiner Arbeit und hoffe immer, dass ich Leute dafür begeistern kann.


Brainbar: Du hast Die Muse vor kurzem bei Vimeo als Video On Demand hochgeladen. Kannst du schon abschätzen, ob sich diese Variante für frischgebackene Filmemacher lohnt?

Christian Genzel: Hmmm. Derweil noch nicht. Es kommt natürlich auf den Film an und darauf, wie gut man auf seinen Streifen aufmerksam machen kann: Wer eine Doku über U2 gedreht hat, kann wohl schneller bei den Leuten damit andocken als jemand, der ein Beziehungsdrama zwischen zwei Arbeitslosen gemacht hat. Aber das große Problem des Internets ist, dass es einfach so viel Material gibt, dass man unmöglich alles sehen kann. Da kommen die Zuschauerscharen einfach nicht von alleine. Und was auch noch dazukommt: Streaming ist im Kommen, aber so ganz durchgesetzt hat es sich noch nicht – viele haben zum Beispiel gar keine brauchbaren Internetverbindungen, um das sinnvoll machen zu können. 
Mal sehen, wie sich das mit dem Netflix-Start entwickeln und verändern wird. Jedenfalls sehe ich die Angelegenheit eher längerfristig: Man macht einen Film, dann noch einen Film, und viele weitere Filme, große und kleine, und mit jedem kommen neue Zuseher dazu, die dann auch die anderen Werke sehen wollen. Immerhin kann man per VoD seinen Film ohne große Probleme in guter Präsentation zur Verfügung stellen – auf großen Geldregen sollte man aber erstmal nicht hoffen.


Brainbar: Was war die beste Erfahrung, die du im gesamten Verlauf des Projekts Die Muse gemacht hast?

Christian Genzel: Die beste? Hmm, das ist schwierig. Ich glaube, es sind die Reaktionen des Publikums – vor allem, wenn ich mit einem Publikum den Film sehe und dann merke, wie sie auf den Film reagieren. Und ganz generell eine tolle Erfahrung: Den Film auf die Beine gestellt zu haben. Viele waren skeptisch, manche haben gesagt, ein Langfilm sei sowieso ein unmögliches Unterfangen, und viele hatten auch Zweifel, ob es für so wenig Geld möglich sei. Es gab ein paar Momente, wo es so aussah, als hätten sie Recht. Aber siehe da: Es war möglich.


Brainbar: Als Kunstschaffender hat man ja in der Regel so ein paar Vorbilder. Welche sind deine?

Christian Genzel: John Carpenter war meine erste große filmische Liebe und wird auch immer ein wichtiger Fixpunkt in meiner Filmwelt bleiben. Ich denke mal, von ihm habe ich eine gewisse Grundeinstellung zum Filmemachen übernommen: Wenn man etwas in einer Einstellung erzählen kann, braucht man nicht vier oder fünf dafür. Carpenter hat da einen wunderbaren Pragmatismus, auch wie er seine Geschichten strukturiert und seine Figuren skizziert. Ich habe mich auch mit anderen Filmemachern intensiv auseinandergesetzt und von ihnen viel gelernt – Hitchcock, Spielberg, Peter Bogdanovich. Am anderen Ende des Spektrums gibt es aber auch Filmemacher wie Jim Jarmusch oder Wim Wenders, die ich sehr schätze und die eine andere Seite von mir ansprechen: Film muss nicht immer so genormt aussehen, wie einem das präsentiert wird, und Stories können einfach mal ihrer Inspiration folgen. Wenders kann einen Film darüber machen, wie ein Tonmann Lissabon erkundet, und es passiert fast nichts – und trotzdem ist es ein tolles, poetisches Kinoerlebnis.


Brainbar: Du bist nicht nur Autor und Regisseur sondern betreibst auch den Blog Wilsons Dachboden, wo du über Filme, Musik, Bücher und vieles mehr schreibst. Wenn man sich deinen Output so anschaut fühlt man sich als Blogger plötzlich ziemlich faul. Wie machst du das?

Christian Genzel: Ehrlich? Ich komme mir selber immer recht faul vor! Aber ja, im Laufe der Jahre ist wohl schon so einiges zusammengekommen. Ich schreibe gern und mache das oft auch, um sozusagen Notizen für mich selbst anzulegen. Eigentlich würde ich ja wirklich gerne über jeden Film schreiben, den ich sehe, und jedes Buch, das ich lese, und so weiter, aber das würde ich nicht schaffen. Aber ein paar Texte gehen immer – letzten Endes halt auch, weil es mir Spaß macht.


Brainbar: Du rezensierst ja wirklich alles vom schlockigen D-Horror bis zum absoluten Filmklassiker. Steht hinter der kunterbunten Auswahl ein Prinzip?

Christian Genzel: Jein – nur insofern, als dass ich wirklich auch so ziemlich alles schaue. Ich habe an manchen Tagen Spaß an Fellini, an anderen will ich "Die Rückkehr der Zombies" sehen. Mein Geschmack und meine Interessen sind da sehr breitgefächert. Die Auswahl, worüber ich dann schreibe, folgt aber keinem wirklichen Prinzip. Es hängt immer davon ab, ob ich gerade Zeit habe, ob ich das Gefühl habe, dass ich etwas notieren will oder überhaupt etwas zu sagen habe, ob mir vielleicht schon beim Schauen ein guter Einstiegssatz einfällt, und so weiter. So passiert es dann oft, dass ich zwar ausführlich über einen Film wie "Die letzte Vorstellung" nachdenke, aber dann doch über "Killer Ninjas" schreibe, weil mir da beim Ansehen schon so viel Text eingefallen ist.


Brainbar: Jetzt eine extrem harte Frage für jeden Filmfan: deine 5 Lieblingsfilme, ohne die du nicht leben könntest:

Christian Genzel: Öhm … 200 gehen nicht? Na schön, dann nenne ich mal fünf und weise darauf hin, dass mir mindestens 195 andere genauso wichtig sind. Da wären mal die drei "Stories": "A Chinese Ghost Story" von Ching Siu-Tung, der schönste Hongkong-Film und ein Rausch an Bewegung, Farben, Action, Komik, Fantasy und Romantik. Film als Magie. Dann "Lisbon Story", der schon vorhin angedeutete Wim-Wenders-Film über die klangliche Erkundung von Lissabon: Pure Poesie. Und "L.A. Story" mit Steve Martin: Eine pfiffige Komödie, eine wunderbare Romanze, eine clevere und doch so gutmütige Satire, und kreative Einfälle noch und nöcher.

Ein Carpenter muss natürlich dabei sein: "Assault – Anschlag bei Nacht". Da streite ich gerne mit meinem Cutter, der "Das Ding aus einer anderen Welt" viel besser findet. Den liebe ich natürlich auch und würde mich eigentlich gar nicht zwischen beiden entscheiden wollen – aber im Zweifelsfall wird's wohl doch "Assault", weil der so schnörkellos und doch so effektiv gemacht ist. Und dann nehme ich mal noch "M.A.R.K. 13 – Hardware" von Richard Stanley – "Dust Devil" ist vielleicht der interessantere Film von ihm, aber "Hardware" hat so viel Energie und Einfallsreichtum und nebenher so einen wundervoll hintergründigen Zynismus.

Wohl nicht ganz ohne Zufall sind alle fünf Filme welche, die ich zu der Zeit am intensivsten geschaut habe, als ich beschlossen habe, selber Filme machen zu wollen …


Brainbar: Zum Schluss wollen wir natürlich noch wissen, wie es bei dir weiter geht. Stehen neue Filmprojekte an und wenn ja: kannst du schon ein wenig darüber verraten?

Christian Genzel: Ich arbeite an meinem zweiten Spielfilm, einer Komödie mit dem Titel "Brot und Spiele". Thomas Limpinsel wird wieder mitspielen, Götz Otto ist auch dabei. Es geht da um alte Kindsköpfe und ebenso alte Computerspiele, um Nostalgie und das (Nicht-)Erwachsenwerden. Wie so oft erfordert die Finanzierung einen langen Atem. Nebenher kümmere ich mich um ein paar kleinere Projekte: Es wird bald ein neuer Kurzfilm von mir Premiere haben – ein schräges Schriftstellerporträt namens "Blank", das ich Anfang des Jahres gedreht habe. Eben habe ich ein Musikvideo für eine Salzburger Band namens Roia abgedreht, das eine kleine Mystery-Story erzählt. Und ich plane einen Mystery-Kurzfilm mit dem Arbeitstitel "Cinema dell' oscurità", den ich hoffentlich noch dieses Jahr drehen kann …

In diesem Sinne also noch etwas schamlose Eigenwerbung: Über meine Facebook-Seite (www.facebook.com/ghostlightprod) und meinen quasi unverzichtbaren Newsletter (http://eepurl.com/LIDOP) kann man auf dem Laufenden bleiben, was meine ganzen Projekte angeht. Auf Vimeo gibt's "Die Muse" zu sehen (https://vimeo.com/ondemand/diemuse), und wenn man dort meinem vertrauenswürdigen Konterfei folgt, finden sich auch noch alle möglichen anderen Clips und ein paar Kurzfilme.

Vielen Dank für Euer Interesse!


Und wir danken für das spannende Interview!
Photos: Alexander Sobolla & Eva Merz, (C) Ghost Light Productions / High5Films

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"Groots Bloody Groots" - Sepultura Parody


Wenn du diesen Beitrag liest ohne Guardians of the Galaxy gesehen zu haben: Was sitzt du hier rum und liest diesen Post? Beweg deinen Arsch ins Kino!
Alle anderen können sich über diese Parodie des Sepultura Klassikers "Roots Bloody Roots" freuen. Einfache Idee, einfach gut umgesetzt. I am Groot.

via Mind'sDelight

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19.09.2014

Offiziell: BadRobot veröffentlicht erstes Video vom Millienium Falcon



Heutzutage scheinen Mynocks nicht mehr das einzige zu sein, was sich an Schiffen festbeisst...
"Sie fliegen mit dem Ding? Sie sind mutiger als ich dachte!"

via BadRobot auf Youtube

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11.09.2014

Teaser: Infini



Via Candykiller auf Facebook
Wenn man interessante (neue) Filme finden will kann man auf altmodische Weise auf Filmseiten rumhängen, oder man verfolgt einfach mal die Arbeit von Poster-Desigenern die man mag. Auf diesem Wege bin ich durch "Candykiller" auf diesen EXTREM gutaussehenden Teaser zu "Infini" gestoßen. Visuell kann der Film schonmal einiges. 

Text von YouTube:

From 'GABRIEL' Director Shane Abbess comes a new take on classic 70's/80's Sci-Fi thrillers starring Daniel Macpherson, Grace Huang, Luke Hemsworth, Dwaine Stevenson, Harry Pavlidis, Kevin Copeland, Louisa Mignone, Tess Haubrich with Bren Foster and Luke Ford.

Ein Veröffentlichungsdatum konnte ich noch nicht finden, bleib da aber mal am Ball.

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21.08.2014

Trailer: Autómata


Nice...

via Reddit/movies

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05.08.2014

Die ersten 7 Minuten aus Star Wars Rebels



Bin beeindruckt. Wenn der Rest der Serie nur halb so viel Spaß macht wie die ersten 7 Minuten, kann das nur super werden.
Endlich sehen wir wieder Sturmtruppen und Imperiale wie ich sie noch als Kind kannte: als die Bösen. 
Es wäre interessant zu wissen wie die jüngste Star Wars Fan-Generation diesen Wechsel wahrnimmt. Immerhin sind die aktuellen 10 bis 20 Jährigen mit den Prequels und The Clone Wars aufgewachsen und deren Helden heißen mittlerweile Anakin, Obi Wan, Padme, Yoda oder sogar Rex und Cody.
Mit Rebels wird der erste Schritt gewagt eine ganz neue Fanbase zu gründen, die in 499 Tagen mit Episode VII den Anfang ihrer eigenen Trilogie miterleben darf. Spannende Zeiten für neue, mittlere und alte Fans.

viaStarWarsRebels auf Facebook

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