20.10.2015

Schluss mit The Phantom Disappointment: Ich freu mich jetzt richtig auf Episode VII!


"Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me!" Anders als mit diesem schon von George W. Bush so schön massakrierten Zitat weiß ich das Gefühl, das mich bisher beim Gedanken an Episode VII beschlich, nicht zu beschreiben.
Ich saß auf der Star Wars Celebration Europe weniger Meter Luftlinie von Kathleen Kennedy entfernt und hörte ihr dabei zu, wie sie von mehr practical effects und weniger CGI sprach. Ich träumte davon, dass J.J. Abrahams die Regie übernehmen würde, und jubelte, als er nach langem Hadern endlich "Ja!" sagte. Ich dachte mir: "Nicht ohne Han, Leia, Chewie und Luke!" und bekam, was ich mir wünschte.

Trotzdem war ich misstrauisch. Warum?


Wegen der Prequels. Natürlich. Keine Angst, ich werde jetzt nich in sinnloses Prequel-Bashing verfallen (unter anderem weil ich Episoden I bis III bei allem, was mir nicht gefällt, durchaus auch Positives abgewinnen kann). Ich meine nicht die drei Filme an sich, sondern die Reaktion der Fans auf diese drei Filme: Absolute Enttäuschung. Ungläubige, abgrundtiefe, schmerzvolle und dann schließlich manische Enttäuschung. Manisch, denn es gibt bekanntlich Fans, die schon prophylaktisch in Angry-Nerd-Zuckungen verfallen, wenn sich auch nur andeutet, dass vielleichteventuellirgendwannmalvielleicht Episode I bis III erwähnt werden könnten.
Klar schlage ich mir an den Kopf, wenn mir ein hier aus Sicherheitsgründen nicht genauer bezeichnetes Familienmitglied erzählt, er/sie/es möge Jar Jar Binks (ALTER WIE BESCHEUERT KANN MAN SEIN JETZTMALIM ERNSTBISTDUBEKLOPPT?!!). Klar verstehe ich die beiden Comicbuchverkäufer, die mich mit strengem Blick fragten, welches Episode I Poster ich denn da kaufe und die, als ich mit zittriger Stimme antwortete "Darth...Maul?", nickten und sagten "Na wenigstens etwas.". Und ich habe garantiert mal (oder mehrmals) gesagt, wie "kacke" ich die Prequels finde. Aber Sätze wie "George Lucas hat meine Kindheit vergewaltigt!" aussprechen oder überhaupt das zu dieser Aussage korrespondierende Gefühl spüren? Neeeee.

Ich sag's ehrlich: Episode I war mein erster Star Wars Film. Ich habe die anderen Filme erst danach gesehen und lieben gelernt. Ich war keiner von den Fans, die Ihr Leben lang auf mehr Star Wars gewartet hatten und dann enttäuscht wurden. Ich fand Episode I cool, ich war halt noch klein. Und trotzdem saß ich hier seit der Ankündung der neuen Filme und dachte "Besser nicht so doll freuen, was wenn es wieder wird, wie mit The Phantom Manace?". Wie blöd.

The Phantom Disappointment


Weil ich mich jahrelang in den Kreisen der ewiglich Enttäuschten herumgetrieben habe, habe ich mir meine eigene Vorfreude in einem Sud aus "Was wenn..." und "Aber vielleicht..." zerkocht. Und wofür? Nur, um an Weihnachten nicht enttäuscht zu sein? (Obligatorischer Sitcom-Witz a la ich werde an Weihnachten ohenhin jedes Jahr enttäuscht, Zwinker, Laughtrack, Abspann.) Enttäuschung ist zwar kein schönes Gefühl, aber das ist eben das Risiko, das wir eingehen, wenn wir uns auf etwas freuen. Und ist Enttäuschung wirklich so viel schlechter als der Moment in dem unsere Vorfreude endlich zu echter Freude wird?
Würde ich mich nie wieder oder nur unter Vorbehalt auf etwas freuen, das mich schon einmal enttäuscht hat, dann wäre das ja noch nachvollziehbar. Aber ich und andere von The Phantom Disappointment Betroffene haben ja nicht mal das: Wir haben Angst vor einer Enttäuschung, die wir nie erlebt haben. Wir scheuen ein Gefühl, das wir uns von anderen haben aufschwatzen lassen und in das wir uns kollektiv hineingesteigert haben, weil es anscheinend eben zum Star Wars Fandom dazu gehört, eine klare Position zu den Prequels zu beziehen.

Ständig höre ich im Netz und im Alltag dieses "Erstmal vorsichtig." "Nicht wieder zu früh freuen." und ich denke: "Alter, du warst ein Kind als Episode I rauskam, wie  enttäuscht kannst du gewesen sein? Wahrscheinlich hattest du Jar Jar Binks Unterwäsche und wolltest sein wie Anak... obwohl das vielleicht doch nicht... aber jedenfalls fandest du den Film wahrscheinlich cool, denn es ist Fakt, dass Episode I gerade bei Kindern sehr gut ankam und du warst mit 10 nicht Roger Ebert, du warst leicht zu beeindrucken und wolltest ein Laserschwert mit zwei Klingen!" Ja, sowas denke ich dann. Und jetzt schreib ich es.

Es ist völlig bescheuert, sich eine Enttäuschung aneignen zu wollen, die man gar nicht wirklich so empfunden hat. Wenn ich ehrlich bin kann ich nur sagen: Ich fand Episode I erst cool. Als ich dann die anderen Filme gesehen und mehr über Filme gelernt habe merkte ich, dass der Film leider doch nicht so cool ist. Und das ist kein stichhaltiges Argument, um mich nicht mit voller Kraft auf Episode VII zu freuen.

Nach dem neuen Trailer kommt hier also mein Aufruf an alle von The Phantom Disappointment geplagten (Soundtrack für diesen Textabschnitt): 


Lasst euch nicht länger von einem Gefühl, das Ihr selbst gar nicht wirklich empfunden habt, die Vorfreude nehmen. Lasst euch auf den Hype ein! Steht in der Schlange vorm Kino und seid gewiss, dass hinter dem roten Vorhang ein unvergesslich großartiger Moment auf euch wartet! Denn wenn es soweit ist und ihr hattet recht, dann könnt ihr nach hause gehen und all eure Wünsche haben sich erfüllt. Dieses Gefühl ist selten. Macht es euch nicht durch unbegründete Zweifel kaputt! Wenn Ihr dieses Gefühl mitnehmt, dann könnt ihr euch euer ganzes Leben daran erinnern, wie die letzten 8 Wochen vor Weihnachten 2015 eine wunderbare, aufregende Zeit waren, auf die ein für euch historischer Moment folgte. 
Wollen wir uns das wirklich kaputt machen? Ich jedenfalls nicht.

Edit: Ja, ich weiß, da ist ein S zuviel in Disappointment auf dem Bild. Ich bin müde, ist mir jetzt auch egal ;) Habs doch geändert. War doch nicht sooo müde...

1 Kommentar:

  1. Ich mag den letzten Absatz.
    Gute Idee. Mache ich so!
    Echt.

    AntwortenLöschen

Dein Kommentar erscheint, wenn er sorgfältig per Hand freigeschaltet wurde ;)