15.12.2015

Der Star Trek Beyond Trailer und warum ich ihn mag




So, jetzt poste auch ich ihn: den Star Trek Beyond Trailer. Eigentlich hätten wir diese 1:33 Minuten erst vor Star Wars The Force Awakens gesehen, aber eine deutsche Version des Trailers wurde am Wochenende geleakt und so muss Paramount nachziehen. Danke deutscher Spoilerist, wer immer du auch seist. Natürlich konnte ich  mich nicht zusammenreißen und warten, auch wenn ich die ersten Bilder gern auf der großen Leinwand gesehen hätte. Danke also dafür, verräterrischer QI'yaH!

Was haben wir hier also? 3 Trek, 2 Furious (Danke Tim)? Mission Impossitrek? Nein, was wir hier haben ist wohl eher All action and no talk makes Star Trek Fans a dull lot. Wohin das Auge im digitalen Dickicht auch wandert, überall bin ich von Fan-Gemecker umringt. Der Konsens lautet dabei: "Star Trek Beyond ist kein Star Trek, das ist ja nur blöde Action!"
Gut, ich hätte damit rechnen müssen, denn die neuen Star Trek Filme haben sich von Anfang an mit dieser Meinung herumschlagen müssen. Und von wem kam und kommt das Gemecker? Natürlich von den alteingesessenen Fans, den Trekkern oder Trekkies, die sich mit dem Reboot, den Lensflares und den vielen Explosionen nicht anfreunden können. Und ich kann sie verstehen, zumindest teilweise, denn auch ich bin ja im Herzen ein Vollblut-Trekkie. In den Jammer-Chor einstimmen möchte ich allerdings nicht. Das hat drei Gründe:

1. Trailer sind Marketing, Marketing hat eigene Regeln
Dies ist der erste Star Trek Beyond Trailer und als solcher natürlich voller Action und arm an Handlung.
Voller Action, denn: Es sollen Ärsche in die Sitze und zwar nicht nur die von Star Trek Fans, denn die kommen sowieso. Der Trailer soll alle ansprechen, die eben keine Star Trek Natives sind und sich gern unterhaltsame Action Spektakel geben. Daran ist nichts verwerfliches, es heißt Marketing und sorgt dafür, dass Paramount und Co genug Geld einnehmen, um uns noch mehr Filme zu bescheren.
Arm an Handlung, denn: Der Trailer verrät uns nur sehr wenig über die Handlung des Films und das ist auch gut so! Die meisten Szenen gehören nicht zusammen, wir können nur Versatzstücke einer Story erkennen und selbst nachdem ich mehrere Trailer Analysen gelesen habe kann ich immernoch nicht genau sagen, was im Film passiert. Das ist gut! Das ist genau das, was ich von einem Trailer will. Das mag ich an diesem Trailer.

2. Die neuen Star Trek Filme sind ein anderes Star Trek, nicht ein falsches Star Trek
Ja, die neuen Star Trek Filme sind anders als das, was wir von TNG, DS9, VOY und ENT Trek gewohnt sind. Sie sind laut, popkulturig, jung, dynamisch und für ein Publikum gemacht, das vielleicht nicht die ganzen 45 Minuten lang emotional mitgeht, wenn darüber diskutiert wird, wem Data "gehört". Aber heißt das, dass es sich hier nicht um Star Trek handelt? Schaut euch TOS noch mal genau an und achtet mal darauf, worauf diese Serie basiert.

Ja, wir haben es mit mehr oder minder (meist eher minder) komplizierten philosophischen Problemen zu tun, aber wie werden sie erzählt? Mit Romance, Action, Thrill und Titten. Kaum eine Folge kommt ohne eine verführerische Dame in knapper Kleidung aus und auch Captain Kirk darf regelmäßig die Pecs auspacken und den Bauch einziehen. Ständig verliebt sich jemand und kämpft mit seinen Gefühlen, ständig wird getreten und geschossen.
Warum ist Star Trek trotzdem eine Sendung mit Grips? Weil diese Elemente nicht Selbstzweck sind, sondern eine narrative Funktion erfüllen. Action, Romance und Thrill sind Spielarten, mit denen schlaue Geschichten erzählt werden. Unreflektiert eingesetzte Titten sind natürlich kein so tolles narratives Element, darauf hätte ich bei den neuen Filmen gern verzichten können...

Wenn die neuen Star Trek Filme auf Action und Spannung setzen, dann stehen sie also in guter alter TOS Tradition. Und jetzt erzählt mir nicht, die neuen Filme hätten deutlich weniger Philosophie enthalten, als die alten TOS Folgen. Schaut nochmal genau hin: Wie unglaublich tiefgreifend und komplex sind die alten Folgen wirklich? So ganz wirklich? 

Hier die Botschaften einiger der besten TOS Folgen:
This side of Paradise: "Künstliches Glück ist schlecht (vielleicht)."
Arena: "Gott spielen ist nicht ok und Gewalt ist doof."  
The naked Time: "Geist und Gefühl sollten im Gleichgewicht sein."
Balance of Terror: "Krieg entmenschlicht und das ist doof."
City on the Edge of Forever: "Das Wohl Vieler wiegt mehr als das Wohl des Einzelnen, yo."

Und woran erinnern wir uns aus diesen Folgen?
This side of Paradise: Spocks trauriger Abschied von Leila.
Arena: Der Kampf mit dem Gorn.
The naked Time: Sulus Abs.
Balance of Terror: Das ist der Typ, der später Spocks Vater gespielt hat!
City on the Edge of Forever: Spock hält den traurigen Kirk im Arm.

Wir erinnern uns an Momente, die uns emotional angesprochen haben. Was spricht uns emotional an? Action, große Gefühle, Spannung, Freundschaft und Beziehungen zwischen Menschen und Aliens. Genau darauf setzen auch die neuen Filme. Und sie nutzen diese Elemente, um uns schlaue Geschichten zu erzählen.
Star Trek: Das Leben stellt große Herausforderungen an uns und wenn wir sie annehmen und unser Ego vergessen, dann können wir gemeinsam Großes vollbringen.
Into Darkness: Das Wohl Vieler wiegt schwerer als das Wohl des Einzelnen und Angst und Gewalt bieten keine Lösungen für die Herausforderungen des Lebens.

Die neuen Star Trek Filme haben Schwächen (unreflektierter Hollywood-Sexismus, Plotholes und so weiter), aber sie haben auch viele Stärken. Sie erzählen Geschichten über menschiche Gefühle, über Beziehungen und darüber, wie unsere Helden in schwierigen Situationen das Beste im Menschen zum Einsatz bringen. Damit erzählen sie von dem, was für Star Trek zentral ist: Hoffnung. Solange ein Star Trek Film dieses Grundthema nicht verrät, ist er Star Trek. Ganz egal, wie viel Action benutzt wurde, um seine Geschichte zu erzählen. Ganze egal, ob er den Stoff technisch und narrativ modernisiert hat.

Seid doch mal ehrlich: Als Star Trek Fans haben wir unsere Serie auf ein Podest gestellt, auf dem ganz dick "SCHLAU" geschrieben steht. Nicht "DOOF", wie anderer Science Fiction, kein Science Fantasy, sondern Hard Sci Fi mit von der Realität inspirierter Technik und so weiter und so weiter. Unser nerdiges Universum ist nicht "doof", ganz egal, was die In-Crowd in der Schule sagt. Die verstehen das nur nicht, weil sie halt selber doof sind und nur auf platte Action stehen.

Wenn wir uns über Explosionen, Lensflares und Rockmusik aufregen, dann führen wir viel zu oft nur die alte Schulhofdiskussion: Ich bin nicht doof und meine zweite Heimat auf der Enterpriese ist schlauer und besser als ihr. Wenn Fans sagen, dass Star Trek "Star-Wars-ifiziert" wird, dann haben sie eigentlich nur Angst davor, nicht mehr die nerdige Elite zu sein, die abends im Zehn Vorne sitzt und sich besser fühlt, weil sie weiß, wem Data "gehört" und was Antimaterie ist. Sie haben Angst, dass auf einmal auch die "coolen Kids" Star Trek mögen und wenn das dann z.B. durch die neuen Filme passiert, dann mögen sie garantiert die falschen Sachen: Action, Romance, Thrill. Aber das sind nicht die falschen Sachen: Das sind nur Teile von Star Trek, die immer da waren und auch da sein müssen. Wenn nicht erkannt wird, was mit diesen Elementen erzählt wird, dann ist das schade, macht aber z.B. die Action selbst nicht hohl oder verwerflich.

Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass vielleicht nicht alles an Star Trek so super war, wie wir es gern mit der Rosa-Rückblick-Brille sehen, und dass vielleicht nicht alle TOS, TNG, DS9, VOY und ENT Geschichten so komplex waren, wie wir es gern hätten. Star Trek ist mehr als nur Theorie und Diskussionen, Star Trek war schon immer mehr. Star Trek ist Philosophie und Action, Emotion und Spannung.
Während die Serien nach TOS den Fokus vor allem auf Philosphie und Emotion gelegt haben, nehmen die neuen Star Trek Filme wieder mehr Action und Spannung in den Kanon auf. Das ist auch Star Trek und hat seine Berechtigung.

Wer also sagt, dass er die neuen Star Trek Filme nicht mag, weil sie durch die viele Action kein "richtiges Star Trek" sind, argumentiert einfach falsch. Besser wäre: "Ich mag die neuen Star Trek Filme nicht, weil sie eine Art von Star Trek sind, die mir nicht so gut gefällt."
Ich finde dieses andere Star Trek völlig in Ordnung, denn für mich ist es vornehmlich ein Revival von TOS - und ich liebe TOS. Dieser Trailer sieht für mich sehr nach TOS aus, also mag ich ihn auch deswegen.

3. (Ja, ich hab die Aufzhälung nicht vergessen!) ES IST NUR DER ERSTE TRAILER, IHR WISST NOCH GAR NICHTS ÜBER DEN FILM ALSO WARTET DOCH ERST MAL AB, BIS IHR IHN GESEHEN HABT!
Erst meckern, dann schauen: Hätte Picard das gewollt? Reißt euch zusammen, macht euch eine Tasse Earl Grey und legt die Fairness an den Tag, die euch Star Trek nahe gelegt hat.

Und damit hätte ich den Star Trek Beyond Trailer auch schon gepostet. Ging ja ganz schnell...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Dein Kommentar erscheint, wenn er sorgfältig per Hand freigeschaltet wurde ;)